Archive for January, 2011
Weihnachtspaket
Ganz recht, es hat mich ein Paket erreicht. Gedacht war es eigentlich als Weihnachtspaket, denn der Inhalt waren, neben Landkarten und leckerem Weißenstädter Brot, Räucherkerzen, Lebkuchen und ein Spiel. Es ist zwar bereits Ende Januar, gefreut habe ich mich trotzdem rießig. Nicht zuletzt darüber, dass es überhaupt seinen Bestimmungsort gefunden hat. Das Brot knuspert sich nebenher ganz gerne und die Lebkuchen sind schon alle. Dankeschön! *schmatz*
Kalt!!
Schon die zweite Woche in Kingston mit Temperaturen unter -25 Grad. Genau gesagt – 28 Grad Celsius hat das Thermometer heute Morgen angezeigt. Ein wolkenloser und frostiger Montag stand bevor und so hab ich mich also auf mein Fahrradl gesetzt um auf Arbeit zu kommen. Streckenmäßig ist das auch gar kein Problem, grad mal 2 km, allerdings fröstelt einen der Gegenwind doch etwas an der Nase und den Ohren. Auch die Hände sind nicht mehr die Wärmsten nach so einer Fahrt. Selbst meine kunststoffummantelte Fahrradschloßkette hat heute morgen das Plaste abgeworfen, da es ganz einfach zu spröde war. Auch die Gangschaltung (Nabenschaltung) will momentan nicht mehr über den ersten Gang hinaus, scheint wohl drinnen etwas festgefroren zu sein. Nun ja, jetzt sind es noch gemütliche -17 um nach Hause zu radln.
Ich hoffe, ihr fühlt euch gepriesen mit dem Golf’schen Strömchen, der Milde walten lässt.
Winterwonderland
Und schon ist auch das nächste Wochenende im Schnee ist verlebt.
Der Name war Programm: Winter ist ja klar und Wonderland hat ebenfalls gespasst. Das Wetter war super, Schnee, Sonne und schön kalt, und zwar so kalt, um auf dem zugefrorenen See zu Toben. Nahe des Algonquin Park (der im Herbst schonmal mein Ausflugsziel war) hat der Outdoorclub der Uni eine Herberge reserviert, um alle möglichen Schneeaktivitäten auskosten zu können.
Freitag Nachmittag haben ca. 40 Schneeliebhaber mit Sack und Pack den Bus eingenommen und kurze Zeit später die Hütte geentert. Um die Zeit zwischen knurrenden Mägen und Abendessen sinnvoll zu überbrücken, und natürlich sich gegenseitig kennen zu lernen, gab es gleich ein paar lustige Gesellschaftsspiel mit einer rießen Portion Gaudi. Nach einem Teller Spaghetti gings dann auf dem Eis mit der ersten Winteraktivität, dem Schlittshuhlaufen, weiter. Bei Mondschein hat man nicht einmal die Stirnlampe gebraucht und selbst auf den zugeschneiten Teilen war es möglich zu skaten. Um nicht zu erfrieren wurde danach drinnen bei Musik, einem Faß Bier und Musik mit Apré-Skating weitergemacht.
In kleinen Grüppchen sind wir am nächsten Morgen aufgebrochen, die Gegend zu erkunden. Auf dem Plan stand ein Wasserfall irgendwo im Wald. Abenteuerlustig und mit Schneeschuhen bewaffnet gings in die Spur. Das Wörtchen irgendwokann man getrotst wörtlich nehmen, denn gefunden haben wir den Wasserfall nicht. Nach dem Mittagessen und einer Wegerklärung von den Herbergsleuten waren nun die Langlaufski dran. Mit einer etwas größeren Gruppe und genaueren Angaben haben wir dann auch das Ziel erreicht. Zwar kein wirklicher Wasserfall, dafür aber ein wilder Bach hat auf uns gewartet.
Zurück im Wald und teils See – mei der Ausflug, der war Schee!
Nach dem Abendbrot gings wieder auf die Schlittschuhe, diesmal quer über den See, zu einer größere Insel. Sternbilder beobachteten und Ruhe genießen - so schön kann Winter sein. Nachts hieß es wieder Gaudi in der Hütte. =)
Morgens gings wieder auf die Brettln. Einmal quer übern See und mitten durch den Wald. “Offroad” wars dort ganz schön anspruchsvoll vorwärts zu kommen. Nach einigen hochs und runter erreichten wir schließlich einen weiteren See, der noch vollkommen unberührt da lag. Mit einer perfekt glatten Schneedecke ganz ohne Spuren lag er da wie in einem Wintertraum. Auch die Sonne hat gelacht, so dass ich mir einen schönen Sonnenbrand geholt habe. Zurück wars zwar immer noch sonnig, aber diesmal hat mehr der Wind ins Gesicht geschienen. Entsprechend ausgekühlt haben wir uns dann am Mittagessen aufgewärmt.
Kurz vor der Rückreise wartete dann noch das letzte Abenteuer: Schlittenfahren. Auf der Ladefläche eines Pick-Ups und bei frostigem Wind fuhren wir ein paar Kilometer weiter zu einem steilen Hügelchen. Schnee und Sand auf der Piste haben sich ungefähr in Waage gehalten, rutschig wars allerdings auf Beiden gleichermaßen. Angefangen mit Arschrutscher und Plastikschlitten ist dann auch eine Matratze zum Schlittern aufgetaucht. Die lag irgendwo unter einem Baum, war schön gefroren und eignete sich dadurch herrlich als Schlitten.
Miami & Ski fahren
Mein Rückflug ging über Miami International Airport. Bevor ich da aber ankam, musste ich ja erstmal auf dem Flughafen in San Jose in den Flieger kommen. Einfach einen Wisch Papier in der Hand haben, wie an anderen Flughäfen, ist schön und gut, aber Costa Rica weiß schon, wie man am besten mit Touristen umgeht. Die haben nämlich Geld und das kann man den Leuten ja auch schön mit irgendwelchen Steuern aus der Tasche ziehen. Sprich um das Land zu verlassen, muss man trotz des teuren Flugtickets eine Extrasteuer (26 US$) direkt vor Ort bezahlen. Auch reicht die eine Gepäckkontrolle nicht aus, nein, vor dem Betreten des Fliegers warten nochmal 8 Sicherheitsleute und machen jede Tasche einzeln auf, um zu kontrollieren, dass auch ja keine unerwünschten Artikel ausgeführt werden. (Als Frage nach Flüssigkeiten getarnt; nur gut, dass man Urwaldblätter so gut in einem Buch verstecken kann :-D )
Im dem Troposphärenverpestungsgerät saß ich neben einer ganz netten Mutti, die auch auf dem Weg nach Miami war, um ihrer Schwester zu besuchen. Als ich ihr erzählte, zum ersten Mal in der Stadt zu sein, hat sie mir kurzerhand einen Stadtplan in die Hand gedrück, damit ich mich nicht verlaufe. Mit dem Express-Bus gings gleich mal bis vor in die Siedlung Miami Beach. Bereits im Flugzeug konnte man den Strand sehen, der sich über die gesamte Küstenlinie erstreckt. Allerdings hatte ich nicht soo viel Lust, mich nur am Strand niederzulassen, davon hatte ich die letzte Zeit schon genug. Trotzdem hab ich mich für ein kleines Bierchen irgendwo in den Schatten gesetzt und die knackig braungebrannten, fußballspielenden Sunnyboys mit einem herrlichen Handstand faszinieren können.
Weiter gings mit Rucksack am Buckel durch die Einkaufspromenade, in der ich leckere Schokolade im Schokoladenladen kosten konnte. Um auch etwas Sinnvolles im Bauch zu haben, hab ich gegen Mittag in einer Gedenkminute mein weißenstädtisches Leberwurschtbrot gefuttert. Weiter gings in einer auf Stelzen stehenden Gummibahn, genannt Metromover, einmal gegen den Uhrzeigersinn über die Innenstadt. Zugegeben, sehr sauber, ordentlich und aufgeräumt, aber gleichzeitig langweilig städtisch.
Aufregender war später hingegen die Ankunft in Toronto. Dort hat es herrlich geschneit und auch die Landebahn war weiß gepudert. Noch immer nur im leichten Hemd hab ich gleich mal einen Fuß vor die Tür gesetzt um die -5 Grad direkt am Körper zu spüren. Hui, war das ein Unterschied. Nach ein paar Stündchen Schlaf auf der Flugplatzwartebank und einem heißen Schokolade als Frühstück hab ich es tatsächlich geschafft, meinen Bus nach Kingston zu verpassen. Internetcafes gibts in Downtown anscheinend auch keine und so musste ich warten, bis halb Zehn endlich der erste Computerladen die Tore öffnet. Da gabs auch Internet und ich hab mir zwei drei Mitfahrgelegenheiten rausgesucht. Einer, der am Vormittag fuhr, hat mich gleich mal stehen lassen und etwas verzweifelt hab ich die anderen Nummern gewählt. Siehe da, eine halbe Stunde später saß ich im Auto. Rausgelassen hat mich der Fahrer an der Bushaltestelle, denn da hoffte ich, mein Fahrrad noch unversehrt angekettet wiederzufinden. Hab extra einen Zettel drangehängt, dass ich es abholen werde und dass es kein Schrott ist (zugegeben, etwas rostig sieht es aus..). Zugeschneit und mit einer weißen Schneemütze auf dem Sattel war es auch noch unversehrt am selben Zaun und fahrtüchtig zum losdüsen.
Daheim angekommen und Sachen verstaut, hab ich gleich noch Samstag Abend den Sonntagsausflug ausgemacht. Eine Arbeitskollegin wollte Ski fahren gehen, wobei ich mich kurzerhand mit eingeklinkt habe. Auf nem Hügel (Calabogie Peaks), vergleichbar mit dem Kornberg, hab ich meine neuen 10 $ Ski einweihen können. Zwar schon das etwas ältere Modell, aber um die Schneebedeckten Pisten runterzukratzen hats optimal gereicht.
Sehnsüchtig werde ich mich nun wieder in den Arbeitsalltag stürzen. :-/
Pura Vida
Manuel Antonio hieß das nächste Ziel hier im Land. Ein Nationalpark, wieder auf Pazifikseite (Westen). Die Busreise war herrlich, da es durch schönst von der Sonne beleuchtete Landschaft ging, aber trotzdem ordentlich Langweilig, da man wieder nichts als rumzusitzen machen konnte. Kaum dass wir unsere Sachen im Zimmer hatte gings ab an den Strand. Dort ist uns die brilliante Idee gekommen, doch mal das Surfen auszuprobieren. Von einem Verleih am Strand haben wir uns das Board geholt und da es bereits Abends war und der Wasserpegel auf Ebbe stand, konnten wir nur kurz probieren.
Auf dem Weg zurück ins Zimmer hat noch eine Kokosnuss gelacht. So hat auch schon das nächste Ziel gewartet: Öffnen. Gesagt getan, als einziges Werkzeug diente ein Schraubenzieher (Küche mit Messern gabs keine). Um den Öffnungsprozess etwas besser erklären zu können, muss der Leser wissen, dass die braune harte Kokosnuss nicht einfach so an der Palme hängt. Um diesen harten Kern ist noch eine weitere Schale, die holzig, fasrig und sehr Widerstandsfähig ist. Mit einem Schraubenzieher tut man sich da etwas schwer, aber nachdem ich diese Schutzschicht losgeworden bin, hatte ich die Nuss in der Hand. Verwundert hat mich aber, dass trotz schütteln kein Schwappern zu vernehmen war. Wie sich herausstellte auch kein Wunder, da die Nuss komplett voll war *lecker*. Wie es im Buche steht, hat die harte Schale dann nach ein paar Schlägen auf die Duschkante auch wunderbar in der Mitte nachgegeben. So hat sich auch die Frage nach einer Frühstücksschüssel von selbst erledigt.
Morgens sind wir gleich früh raus, um das gemietete Surfbrett auszunutzen. Diesmal gab es auch etwas grössere Wellen und wir wollten das Brett zuerst als Boot benutzen, um an einen schönen Strand um die Ecke zu paddeln. Da es sprichwörtlich immer kommt, wie es kommen muss, hat uns gleich die erste Welle umgeschmissen. Mitgenommen hatten wir nichts, außer Schnorchel und Sonnencreme, welche nun auf der Vermisstenliste stehen. Geschwommen ist beides nicht und den Grund mit Füßen abtasten hat die Sachen nicht zurück gebracht.
So haben wir eben abwechelnd probiert auf das Brett zu kommen und zu surfen. Schwierig, so ganz ohne Ahnung. Nach einigen Fehlschlaegen hat dann auch die Sonne zu einer Pause gezwungen und wir sind erstmal zurück an einem Hostel mit leckerem günstigem Frühstück vorbeimarschiert. Na gut, für uns zwar schon Mittag, aber Rührei mit Reis und als Nachspeise einen Teller Südfrüchte kann man gut gelten lassen. Später sind wir nochmal zu dem Vermietmenschen gegangen und haben uns für ein Kajak interessiert. Da er uns am Morgen gesehen hat und wir anzeichen machten, etwas mehr Geld da zu lassen, gab es ein paar Tipps zum Stehen auf dem Brett und einen kleinen Surfunterricht gratis.
Später am Nachmittag also das Board gegen Boot austauschen, noch fix etwas im Supermarkt holen, und schon waren wir in den Wellen. Die haben sich immernoch ziemlich hoch aufgebäumt, so dass wir kräftig paddeln mussten, um auf die weite See zu gelangen. Nachdem die Wellen dann hinter uns waren gings zu einer grün bewachsenen Insel, die gleichzeitig stark nach Paradies aussah. Auf der wollten wir uns den Sonnenuntergang angucken, doch als wir in der Nähe waren, hat man schon gesehen, dass der Plan wohl nicht ganz aufgehen wird. Steile Felsen und starke Brandung hat uns doch genug respekt verliehen, um dann das frische Bierchen schließlich im Boot zu geniessen. Der Sonnenuntergang hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt und gleich danach hieß es auch schon, fix zurück an die Küste, bevor die Dunkelheit einsetzt. Auf dem Rückweg ist auch noch Regen aufgezogen, der der ganzen Fahrt einen wunderbar verlassenen Charakter verlieh. Warmer Regen von oben, wärmeres Wasser von unten und wir mit dem Bötchen mittendrin. Ein leichtes Lüftchen von Seeseite hat uns auch pünktlich zum Ende der Dämmerung zurückbegleitet. Der Vermieter hat schon sehnsüchtig mit Hello, come here! Rufen begrüßt. Auf einer Welle sind wir ihm förmlich entgegengesurft.
Auf dem Heimweg vom Strand haben wir nochmal nach dem Schnorchelset geschaut, aber leider nur eine einsame Tica (Costa Ricanerin) gefunden. Sie saß dort und hat uns gefragt, wie unsere Bootreise war. Ihr Name war Cindy und sie sagte, dass sie auch gerne mit dort draußen gewesen wär. Sie wartete auf ihre Schwester und ihren Freund, da sie noch ein Bierchen am Strand trinken wollten. Der Grund war, dass sie am folgenden Tag Geburtstag hatte dazu noch, wie auch wir, vorhat, in den Nationalpark zu gehen. Wir haben uns also mit dazugesellt und ausgemacht, am Nächsten Tag gemeinsam in den Park zu gehen.
m Eingang ist auch die Warnung von Cindy wahr geworden, die Costa Ricanische unpünktlichkeit mit einzukalkulieren. Nachdem wir auf dem Weg zu deren Unterkunft waren, haben wir sie auch direkt davor getroffen und sind dann in den Park gegangen. Leider waren wegen Sturmschäden einige Wege unpassierbar und eigentlich nur ein einziger Rundweg offen. Der hat an zwei großen Stränden vorbeigeführt, wo wir uns auch mal niederließen. Während dem Dasitzen, ist auch das passiert, weshalb jeder Tourist in den Park kommt. Es sind Affen von den Bäumen gekommen und haben das Essen von den Menschen geklaut. Jedoch nicht auf irgendeine spannende oder waghalsige Art und Weise, sondern ganz langweilig mal so nebenbei, da sie bereits jeglichen Respekt vor Menschen verloren haben. Am schönsten an dem Park war der Ausblick von einer Steilklippe auf den Teil des Ozeans, in dem wir mit dem Kajak gepaddelt sind.
Im Park haben wir uns dann von Cindy, Freund und Schwester verabschiedet, um unseren Bus zum nächsten Strand, ca. 2 Stunden entfernt zu erreichen. Dort trafen wir wieder Juan und seine Familie, die dort ein weiteres Ferienhaus besitzen. Auch gab es diesen Abend noch etwas sportliche Betätigung. Wir sind laufen gegangen, eine halbe Stunde im Laufschritt durch die Stadt. Tempomäßig war es vergleichbar mit meinen Wegen am Flughafen mit Rucksack auf dem Buckel. Hier war zwar das Gewicht nicht da, aber die Temperatur hat den bremsenden Faktor gespielt. Am Abend hat dann die ganze Familie eine halbe Stunde für die verstorbene Oma gebetet um danach eine Partie UNO mit Costa Rica Regeln zu spielen.
Der letzte Abend war noch einmal ein lustiger. Juan, sein Bruder, zwei weitere Freunde, Markus und ich saßen beisammen, haben ein paar Bier und dazu den letzten Duty-Free-Whiskey genossen. Frühmorgens gab es dann noch eine Köstlichkeit, die ich in Canada schon vergeblich versucht habe zu finden. Der Supermarkt hatte doch tatsächlich eine vollkörnige fränkische Köstlichkeit zu bieten, die dann als typisches Leberwurschtbrot den Weg durch den Körper fand. Und weil das Essensthema so spannend ist, habe ich kurz vor den Sicherheitskontrollen auch noch eine leckere Mango verspeist.
Eben ganz im Sinne von Pura Vida. =)
Silvester
Am zweiten Feiertag gings mit dem Auto ab in die Karibik (Ostküste). Bei strömenden Regen durch einen Nationalpark und vorbei an Bananenplantagen bis nach Puerto Viejo. Ein Surferörtchen im Südosten, nahe der Grenze zu Panama. Angekommen sind wir dort bei Sonnenuntergang und haben uns schnell noch in die Wellen gestürzt. Am nächsten Tag wurden Fahrräder gemietet, mit denen es an schöne Strände in der Nähe ging. Dort verlief die Strecke unweit vom Strand mitten durch den Urwald und die Wellen haben ordentlich getobt. Laut Auskunft der Surfer waren die ca. 2,5 m hoch und deren Kraft habe ich am eigenen Leib spüren dürfen. Nämlich bin ich beim Baden in eine sogenannte Rückströmung gekommen. Das ist der Rückfluss der Wellenfront ins Meer, welcher schwer zu erkennen ist und einen einfach so mit rauszieht. Gemerkt habe ich es an meiner plötzlichen Entfernung zum Strand und an dem Winken von Juan, Markus. Zum Glück wusste ich, wie man dort leicht wieder herauskommen kann. Man sollte nicht direkt auf den Strand zu schwimmen, sondern erstmal parallel, um aus der Strömung zu kommen und dann mit Hilfe der anrollenden Wellen zurück ans Land.
Am Abend gings in eine Strandbar mitten im Ort. Angefangen haben wir mit Mau Mau und Schafkopf spielen (das haben wir den Costa Ricanern beigebracht), weiter gings mit Kicker um schließlich zu Bob Marley und anderer Raggeemusik mit wuschelhaarigen braungebrannten Surferjungs zu tanzen. Hauptsächlich hat man Jamaica-Farben gesehen und es hat alle paar Minuten nach harzigem Rauch gerochen.
Während der Heimfahrt mit dem Auto gab es ein frisch gebackenes Toastbrot von einer kleinen Bäckerei und eine Wanderung im Nationalpark mit Affen, Spinnen und schönen bunten Vögeln. In San Jose war dann eine Wanderung auf einen Vulkan dran, wobei ein Studienkollege von Juan als Führer mitgekommen ist. Der Vulkan ist erloschen und hat einen schönen Kratersee auf ca. 2900 m Höhe. Inmitten der Wolken bei frischem Wind gings Bergauf, bis wir tatsächlich mitten in den vorbeirasenden Wolken standen und einen Blick auf den See ergattern konnten. Oben angekommen gabs frische Bananen, Mango und Orangen. Ein wahrlicher Festschmaus, so frisches Obst.
Um die Zeit hier auch auszunutzen, ging die nächste Reise tagsdrauf mit einer Busfahrt nach Tamarindo. Ein Ferienort auf der gegenüberliegenen Seite von Costa Rica, also der Pazifiküste (Westen). Angekommen sind wir nachts um Elf und hatten das Glück, kein freies Hostel mehr zu finden. Nach einigem rumfragen bekamen wir schließlich Platz in der Gemeinschaftsküche auf der Couch eines kleinen Hostels. Die Nacht war ziemlich kurz, um Eins gings in die Federn und kurze Zeit später hat schon der ganze Körper von Mückenstichen gejuckt. Markus ist mitten in der Nacht aufgewacht und hat sich geduscht, um das Jucken zu dämpfen. Als ich aufgewacht bin, hat die Uhr halb Sechs gezeigt und der Franzose, der auch in der Küche schlief, ist gerade vom Feiern wieder nach Hause gekommen.
Diesen Morgen gings dann in die Stadt um wieder Fahrräder auszuleihen. Danach Frühstück kaufen und am Strand (direkt vor dem Supermarkt) futtern. Strahlender Sonnenschein, lange Strände und viele Leute waren geboten. Einmal quer durch die Stadt gings weiter über Dirt-Roads (Staubstraßen) zum nächsten Strand. Manche Abschnitte dieser Straße sind befeuchtet worden, um die Staubbildung etwa einzudämmen. Da alles am Fahrrad kleben geblieben ist, es etwas komisch ausgesehen und nach Lakritz gerochen hat, wollte dann schließlich der Test gemacht werden. Die Geschmaksprobe hat ergeben, dass es süß ist und von nun an steht die These, dass die Straßen hier gezuckert werden (da es sich höchstwahrscheinlich um den Saft des hier angebauten Zuckerrohrs handelt).
Weiter auf einer Dirt-Road außerhalb der Stadt, etwas südlich an zwei schöne große Strände. Ein Badeparadies für faule Urlauber, zum Glück hatten wir die Fahrräder, um wenigstens etwas körperliche Aktivität vorzutäuschen. Die vorbeirasenden Autos sind etwas nervig, da sie jedesmal ein eine lange Staubschlange hinter sich herziehen (gezuckerte Straßen gibts nur in der Stadt), die man wohl oder übel auch einatmen muss. Angekommen am Strand hab ich mich schon richtig auf das reinigende Bad gefreut. Ein haufen Menschen war unterwegs, was auch nicht verwunderlich ist, da es ja gerade zwischen den Feiertagen war.
Auf der Rückreise ist uns die spontane Idee gekommen, an jeder Bar ein Bierchen zu trinken. Leider war schon nach drei Bars schluss, da unser Weg direkt am Strand entlang verlief. Bars waren hier keine mehr zu finden, allerdings kam es viel besser. Der Strand hat mit einer Flussüberquerung begonnen. Besser gesagt einer Flussdurchquerung, mit Kind und Kegel, bzw. mit Fahrrad und Keksen gings durch kinnhohes Wasser zum langen Strand. Das dieser Strand so lang ist, haben wir auf der Rückfahrt erlebt, da wir ewig die Lichter der Stadt sahen, aber nur sehr sehr langsam näher kamen.
Während der Fahrt hat sich auch der Sonnenuntergang angekündigt, und wir haben eine kleine Pause eingelegt. Spontan hab ich das Fahrrad mal auf Wellentauglichkeit überprüft. Mit Vollgas rein in die Brandung bis ich komplett drin war. Sobald nur noch der Kopf rausguckt, wird es ziemlich schwierig genügen Gewicht für etwas Bodenhaftung zu bekommen. Das Fahrrad an sich schwimmt einfach nur an der Oberfläche, da ja Luft in den Reifen und im Rahmens ist. Die Wellen haben einen dann auch noch zugesetzt, so bin ich ein paar Meter zurück zum Strand gepaddelt um wieder auf die Pedalen zu steigen. Die Wellen von hinten waren äußerst hilfreich und wie Surfen bin ziemlich gut zurück gebraust.
Eigentlich wollten wir am Abend noch in eine Bar gehen, blos irgendwie war kurz vor Silvester nicht sehr viel los und außerdem warn wir ziemlich geschafft, von dem vielen Sonnenschein und der Fahrradfahrt im Sand am Strand.
Die Heimfahrt mit dem Bus hat sich dann mehr zu einer Inselrundreise auf Costa Rica enthüllt. Nach einem kurzen Aufwachbad im Pazifik haben wir die Räder zurück gebracht und sind zur Bushaltestelle. Direkt davor gabs einen schönen kleinen Wagen, der frisch gepressten Orangensaft und Obst (Wassermelone, Papaya) verkauft hat. Da ist natürlich etwas mit auf unsere Reise gekommen – sehr köstlich! Nachdem wir nun an Bord waren, gings etwas westlich ins Landesinnere und dort mussten wir Bus wechseln. Leider ist der Bus, der uns vorgeschlagen wurde nicht gafahren, deshalb hat uns dort das Personal einen andere Verbindung empfohlen. Diese hat sich dann als etwas länger herausgestellt, als wir erwartet hätten. Von früh um Neun bis abends halb Acht war somit Gummibahn angesagt und zwar auf Dreckwegen mit offenen Fenstern und ordentliche Geschwindigkeit. Als Einfacher Passagier hat man sich da schon ab und an mal gedanken gemacht, ob der Bus jetzt wirklich durch die Enge passage kommt, oder ob der Fußgänger am Rand nicht doch lieber im Gras anstatt auf der Straße laufen sollte.
Nichtsdestoweniger sind wir irgendwann doch in San Carlos angekommen und unweit vom Haus ausgestiegen. Recht erleichtert sind wir im Haus eingetrudelt und hatten eine halbe Stunde zum Duschen, umziehen und auf die Silvesterfeier zu gehen. Die fand etwas oberhalb auf einem Hügel in der Garage der Verwandtschaft statt und wie wir auf dem Weg erfahren durften, wurden wir auserwählt einen Tanz mit vorzuführen. Auch diese Feier war mehr als nur eine reguläre Familienzusammenkunft. Kleine Vorführungen, Musik und tantzen sollen geboten werden. Diesmal war es die Familie väterlicherseits und es waren ca. 60 Leute da.
Angekommen an dem Haus haben wir also mit den anderen Leuten in unserem alter die Verkleidung angezogen und den Tanz gelernt. Wakka Wakka und Hey Macarena waren die Tänze und es war sehr lustig. Beim Aufführen sind sogar einige Eltern auf gestanden und haben mitgetanzt, sehr lustig! Später gabs noch ein Wer wird Millionär auf Spanisch und dann war auch schon Mitternacht sehr nah.
Der Ablauf zum Jahreswechsel sieht so aus, dass der Countdown heruntergezählt wird, dann Raketen in die Luft zischen, währen im Radio die Nationalhymne spielt, wenn diese zu Ende ist, umarmt sich jeder und wünscht a Gsunds Neis (Feliz Ano). Erst nachdem diese Ritual durch ist, darf gegessen werden, vorher gab es nur kleinere Snacks. Hähnchen mit Kartoffelsalat und einigen guten Beilagen war am Buffet, sehr lecker und alles selbst von den Familienmitgliedern zubereitet. Später am Abend führte unser Weg dann noch in die Stadt, zu einer Bühne mit Live-Musik und vielen feiernden Leuten. Genau das richtige, um sich mit rein ins Getümmel zu stürzen.
Der Neujahrstag hat mit wunderschönem Sonnenschein begonnen und einem Sonnenbad, etwas Spanischvokabeln und einfach nur relaxen. Nachmittags gings auf das Farmland, welches in Familienhand liegt und ca. 20 km entfernt ist. Dort war es ohne zu übertreiben wie im Paradies. Ein Fluss als Landbegrenzung nach hinten, der Weg zur Hütte durch große alte Bäume und im Garten ein Pool mit Kokospalmen und viel Fläche zum verpachten. Wie uns erzählt wurde, ist es ein Ritual der Großfamilie, sich eigentlich jeden Sonntag dort zum Kaffee zu treffen. So haben wir es auch gemacht, sind mal in den Pool gehüpft und haben die Frisbee rumgeschleudert. Nach der Farm ging es mit einem Onkel in eine Bar. Der Onkel ist Verwandtschaft aus dem Amiland und hat sich wie wie ein Cowboy verhalten. Er hat uns Geschichten über die Vergangenheit des Farmlandes erzählt, wie auch seine eigenen Storys über seine Fotoleidenschaft.
Der nächste Tag sollte eigentlich mit einem Ausflug auf den noch aktiven Vulkan Arenal beginnen, allerding haben sich die Wolken gedacht es muss wieder Bulls and Cows regnen (jaja, mehr als nur Cats and Dogs… gestern vom Cowboy erst frisch gelernt). Als haben sich die Costa Ricaner auch Zeit gelassen mit dem Aufstehen und eine Stunde lang den Wecker weggedrückt. Nach einem ausgiebigem Frühstück stand dann das Ausweichprogramm als Besuch in den heißen Quellen gleich um die Ecke. Also am erloschenen Hausvulkan von San Carlos. Diese zu erreichen muss man wahrlich erst eine Wanderung duch den Jungel unternehmen, einmal angekommen ähnelt das ganze sehr stark einem Thermalbad. Palmen überall, hohe Bäume und Lianen über einem und mitten drin eine Bar um auch ein kühle Bierchen genießen zu können. Die wärmste Quelle war 48 Grad und als Mensch hat man sich in etwa so gefühlt, wie Spaghetti, die in kochendes Wasser geschmissen werden. Gleich nebenan ist ein kühler Bach geflossen, in dem man sich gut erfrischen konnte. Nach dieser Hitze hat das zweite Bierchen nicht lange auf sich warten lassen und die Baby-Haut an Händen und Füßen auch nicht.
Weihnachten
Nachdem nun also der Besuch in der Megastadt New York doch noch geglückt ist, gings weiter in der Kerosinvernichtungsmaschine nach Costa Rica. Dort im Flughafen war wieder Zollkontrolle angesagt, aber ein kurzes Überfliegen meiner Reisepassangaben und die Frage nach meinem Ziel hat auch schon gereicht um in Windeseile zum Ausgang zu marschieren. Dort sollte mich Markus Freund abholen. Die einzige Sache war die, dass ich ihn noch nie vorher gesehen habe und auch keine E-Mails mehr überprüfen konnte, um wirklich zu erfahren, ob denn überhaupt jemand auf mich warten wird. Mit einem gemütlichen Gang und schweifendem Blick durch die Wartenden, bzw. geschriebenen Namensschildern, hat auf einmal ein ”MARTIN” irgendwo herausgeleuchtet und der Mensch, der an dem Schild hing, scheint mich als einsamen Touristen, der mit einem Rucksack auf dem Buckel ausschau nach seinem Abholdienst sucht, enttarnt zu haben. Jap, so war es auch, Juan mit Bruder und Cousine haben mich am Flughafen willkommen geheissen. Man war ich in dem Augenblick glücklich. Markus war für den Nächsten Tag erwartet und somit sind wir in das Ferienhaus der Familie gefahren.
Am nächsten Morgen bin ich von der Sonne geweckt worden. Die hat genau in mein Zimmer geschienen und ein Blick aus dem Fenster hat mir nur die Sprache verschlagen. Wir waren auf einem Hügel, mit Blick auf die Hauptstadt San Jose und überblick auf das ganze Tal, in dem die Stadt liegt. Es war gerade mal halb Sieben und die Sonne hat schon ordentlich Dampf gemacht. Kalt war es kein bisschen, deshalb hab ich mich erstmal mit T-Shirt und kurzen Hosen auf die Terasse gepflanzt. Als die Anderen später wach waren, gings nach einem kleinen Frühstück ab an den Flughafen, Markus abholen. Dort angekommen haben wir die ankommenden Flüge nachgeschaut und erstmal festgestellt, dass die Flugnummer gar nicht aufgelistet ist. Etwas stutzig hat Juan seinen Laptop geholt und da waren auch schon zwei E-Mails von Markus. Eine, dass es Probleme mit seinem Flug gibt und die Andere, dass er einen Tag später ankommen wird. Eine kurze erklärung war auch gegeben. Es gibt nämlich ein zweites San Jose, das liegt in Kalifornien, gar nicht mal so weit weg von Markus Studienort, und entsprechend war das der falsche Flug.
Da der Plan für diesen Tag die Fahrt nach Hause zu den Eltern war, gings wieder zurück ins Auto nach San Carlos. Dort ist das zu Hause von Juan und wir haben die Eltern besucht. Die Fahrt war sehr interessant, denn in dem Land gibt es nur kleine Straßen und der Fahrstil ist sehr chaotisch. Abruptes Bremsen und Löchern ausweichen geht zwar auf die Blase, ohne viel Sicht mit fünf Zentimetern Abstand und hoher Geschwindig an einem Fußgänger vorbeizufahren und dabei gleichzeitig von einem anderen Auto überholt zu werden, lässt einen allerdings doch über Verkehrssicherheit nachdenken. Erstaunlich daran ist (was sich tatsächlich herausstellt), dass bei solchen Manövern nur wenig Unfälle passieren. Auch der sogenannte Highway würde nur mit Ach und Krach als Bundesstraße durchgehen. Nach zwei Stunden Autofahrt und kleinerem Stau wegen schlechter Sicht (doch, 50 m kann man getrost als gute Fernsicht abstempeln) sind wir angekommen. Hier hat es mir ein zweites Mal die Sprache verschlagen, denn das Haus ist eine kleine Villa, wie man sie aus Prospekten kennt. Herrliche Lage mit Blick auf die Stadt und den erloschenen Vulkan im Hintergrund. Die Eltern sind sehr nett und waren gerade emsig dabei, Weihnachtsgeschenke einzupacken.
Am Weihnachtsmorgen bin ich wieder etwas eher aufgewacht (Costa Ricaner lieben Schlaf!) und bin mit dem Fahrrad etwas die Umgebung erkunden gegangen. Leider hat es mitten drin zu regnen begonnen. Zwar ist das von den Temperaturen nicht so schlimm, denn bei 20 Grad stört einen das nicht sehr, das Spritzwasser im Gesicht und die chaotischen Autofahrer haben mich dann aber zum Umkehren motiviert. Nach einem guten Mittagessen und einem Kaffee bei der Verwandtschaft, zwei Häuser weiter, gings zurück in das Ferienhaus. Dort fand nämlich die Weihnachtsfeier statt. Markus hatte es auch geschafft, noch rechtzeitig anzukommen und nach und nach sind immer mehr Familienmitglieder eingetrudelt.
Die Familie ist eine Großfamilie, mit allem drum und dran ca. 300 Mitgliedern. Zu Weihnachten waren aber nur ein Teil der verwandtschaft mütterlicherseits geladen. Alles in allem waren knapp 30 Leute da. Das Weihnachten in Costa Rica ist ziemlich verschieden vom Deutschen. Hier steht man mit einem Bier in der Hand draußen im Garten, plaudert mit den Cousins/Cousinen und der Abend gleicht mehr einer kleinen Party. Lokale Musik und lustige Tänze mit dem Eltern standen auf dem Programm und sogar Weihnachtsgeschenke wurden wie zu Ostern irgendwo im Haus versteckt und dann auf Zeit gesucht. Auch verschieden ist, dass bereits am Heiligen Abend ein Feuerwerk in die Luft geschossen wird. Durch die geniale Lage des Hauses konnte man über die ganze Stadt verteilt immer mal ein paar Raketen explodieren sehen.
Der erste Weihnachtsfeiertag hat wieder mit strahlendem Sonnenschein und und für mich mit einer kleinen Radtour begonnen. Diesmal kein Zweirad, nein, Juan besitzt ein Einrad. Das hab ich mir geschnappt und bin damit in das Zentrum des kleinen Vororts geeiert. Dort ist eine Kirche mit einem schönen Park davor und der Gottesdienst schien auch demnächst zu beginnen. Es sind lauter Leute in die Kirche, also hab ich mich da auch mal mit reingeschlichen. Eine katholische Weihnachtspredigt, von der ich nur noch das wörtchen Nosotros im Kopf habe, hat mich anderthalbe Stunde unterhalten. Ein Abendmahl gab es, und ganz ungewöhnlich, waren alle Türen und Fenster sperrangelweit offen. Anscheinend um dem Aufwärmen entgegenzuwirken, denn die Klara hat fleißig weiter gelacht.
Zurück im Haus (dreiviertel Zwölf) sind grade die letzten aus den Federn gekrochen und der Kaffee stand schon auf dem Tisch. Perfekt, so gabs gleich für mich das Mittagessen, für die andern ein ordentliches Frühstück. Der weitere Nachmittag war dann ein spatziergang durch die Hauptstadt, San Jose, und eine Fahrt in eines der ältesten Örtchen in Costa Rica, das nahe gelegene Cartago.








